Emil Vogt verstorben

  

Leverkusen. Seinen Halt fand er im Glauben, seine Haltung war rheinisch-liberal, sein Leben war bestimmt vom Dienst am Nächsten: Emil Vogt, als Bundesschützenmeister über zehn Jahre Vorsitzender des Bundes der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften, ist in der Nacht zu Samstag im Alter von 69 Jahren gestorben. 

Sein Tod kam trotz der langen, schweren Krankheit für alle überraschend, hatte sich Vogt doch noch bis zuletzt vielfältig engagiert – in der Betreuung alter und kranker Menschen, in der Kirche und für den großen Bruderschaftsbund mit seinen 1.200 Vereinigungen und mehr als 250.000 Schützen. Der Leverkusener wusste um seinen Gesundheitszustand, hatte deshalb auch seinen Abschied als Bundesschützenmeister angekündigt. Die Wahl seines Nachfolgers erlebte er nicht mehr.

Emil Vogt war ein Mann der Grundsätze. Er stand für Überzeugungen, für christliche Werte. Seine rheinische Offenheit, sein Verständnis für Toleranz und Barmherzigkeit machten ihn gleichzeitig zum Wegbereiter für ein offenes und soziales Miteinander. Sein Name steht für die Öffnung des Bundes der Historischen Deutschen Schützenbruderschafen. Er schaffte, was lange nicht gelungen war und zu Kontroversen geführt hatte. 

Der öffentliche Streit um einen homosexuellen Schützenkönig war für ihn Anlass, eine Wertediskussion zu führen und den katholischen Schützenbund liberal zu positionieren. Dabei gelang es ihm, trotz der Grenzen des Kirchenrechts für seinen katholischen Verband Grundsätze zu verankern, die auch die Integration von Nichtchristen möglich macht und die Übernahme von Ämtern von der Frage der sexuellen Identität löst.

Gleichzeitig wehrte sich Vogt gegen Versuche der Vereinnahmung durch politisch extreme Kräfte. Als Bundesschützenmeister brachte er einen Unvereinbarkeitsbeschluss auf den Weg. Wer sich in der AfD engagiere, so Vogt, könne nicht Bruderschaftler sein. Vogt sorgte noch im Vorjahr dafür, dass die Schützen ihre Haltung gegen Extremismus und Fremdenhass bestätigten: Jede Form der Ausgrenzung sei mit dem christlichen Verständnis der Bruderschaften unvereinbar, betonte Vogt mit der überwältigenden Zustimmung der Schützen im BHDS.

Seine Laufbahn als Schütze begann Emil Vogt 1973 in Porz-Eil. Schon bald wurde der junge Mann zu höheren Aufgaben berufen. Er war 25 Jahre Bezirksbundesmeister in Porz, führte über 15 Jahre den Diözesanverband Köln, war ab 2005 Stellvertretender Bundesschützenmeister und wurde schließlich 2015 zum Vorsitzenden des Bundes der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften gewählt.

Was Emil Vogt stark machte, war seine Fähigkeit, im Gespräch zu sein, andere in seine Überlegungen einzubinden und so zu gemeinsamen Entscheidungen zu kommen. Emil Vogt war in seiner Argumentation stets überzeugend, nie verletzend, immer darum bemüht, einen gemeinsamen Nenner zu finden. Wenn er anhob "unter diesem Gesichtspunkt", war das der Einstieg zu einer Grundsatzdiskussion, in der er seine Sicht der Dinge immer klar formulierte und oft christlich begründete.

Im Zusammenwirken mit den Schützenverbänden in Nordrhein-Westfalen und im Gedankenaustausch mit der Politik, setzte der Bundesschützenmeister stets deutliche Akzente. Noch im Herbst forderte er beim Parlamentarischen Abend im Düsseldorfer Landtag, eine stärkere Unterstützung für das Brauchtum ein. Seine Sorge bezog sich auf immer neue Vorschriften, die das Brauchtum mit seinen Festen zu erdrücken drohten.

Bei all seiner Ernsthaftigkeit war Emil Vogt ein rheinischer, ein fröhlicher Mensch. Er konnte herzhaft lachen, war humorvoll, genoss das Miteinander im frohen Schützenkreis, war gerne auch großzügiger Repräsentant als Prinz oder König. 

Sein Engagement ging aber weit über das Schützenwesen hinaus. Er gehörte über lange Jahre zum Diözesanrat der Katholiken im Erzbistum Köln, war auch seinem heimatlichen Umfeld in Leverkusen ein wichtiger und hilfsbereiter Ratgeber mit vielfältigen, auch politischen Kontakten. 

Sein zweiter Arbeitsplatz war die Bundesgeschäftsstelle im Friedenberger Hof, wo er die Arbeit der angestellten Kräfte wegführend begleitete. Seine Schaltzentrale war das heimische Büro. Sein Handy sicherte ständige Erreichbarkeit. Seine Bücherwand vermittelte bei Videokonferenzen das Bild eines belesenen Menschen.

Die Nachricht von seinem Tod erreichte die Schützen mit Verspätung. Seine Familie wollte wohl die Zusammenkunft der Bundesvertreterversammlung nicht belasten. Bundespräses Robert Kleine hatte zur Eröffnung der Sitzung für Vogt und alle Kranken gebetet. Hochmeister Fürst Emmanuel zu Salm-Salm kündigte einen gebührenden Abschied für Emil Vogt an. 

In ihrer Würdigung nach Bekanntwerden der Todesnachricht betonen Hochmeister Fürst zu Salm-Salm und der neue Bundesschützenmeister Robert Hoppe die Lebensleistung eines aufrechten Bruderschaftlers, der den Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften in einer Zeit des Wandels überzeugend geführt habe: „Emil Vogt hat verstanden, was Tradition und Moderne verbindet. Ohne herzliche Menschlichkeit ist alles nichts.“ Das besondere Mitgefühl gelte der Familie mit Ehefrau Margret. Das Vermächtnis von Emil Vogt sei Verpflichtung: „Das Miteinander kann nur bestehen, wenn man sich selbst nicht immer so wichtig nimmt.“